Kein Platz für den Monaco-Captain
Beim WM-Auftakt stand Denis Zakaria in der Startaufstellung, im zweiten Spiel musste er auf die Bank: Murat Yakin hat noch immer keine dauerhafte Lösung für sein Zakaria-Dilemma gefunden.
"Auf welcher Position ich spielen würde, wenn ich wählen könnte? Im Sturm." Denis Zakaria sagt das mit einem Augenzwinkern. Doch dem 29-Jährigen merkt man an: Die Frage nach seiner idealen Position kann er langsam nicht mehr hören. Schon im Verein wurde er besonders in der vergangenen Saison immer wieder darauf angesprochen, und auch im Nationalteam ist sie ein Dauerthema.
Denn Murat Yakin steckt seit einiger Zeit in einem Dilemma. Einerseits weiss er genau: Zakaria, Captain der AS Monaco und erfahren auf internationalem Niveau, ist eigentlich zu gut für die Ersatzbank. Andererseits möchte der Nationaltrainer nicht am eingespielten Mittelfeld-Duo Granit Xhaka und Remo Freuler rütteln. Deshalb brachte er bereits vor über einem Jahr die Idee ins Spiel, Zakaria nicht im Mittelfeld, sondern in der Verteidigung einzusetzen.
Schliesslich hat Zakaria bei Monaco eindrücklich bewiesen, dass er diese Rolle ausfüllen kann. Mehrmals wurde er in der Abwehr-Dreierkette eingesetzt und erhielt dabei viel Lob. Er sei der Hauptgrund dafür, dass sich die Mannschaft defensiv stabilisiert habe, schrieb das Sportmagazin "L'Équipe". Trainer Sébastien Pocognoli sagte im Winter über seinen Captain: "Zakarias grösste Stärke ist seine Schnelligkeit und seine Fähigkeit, aggressiv nach vorne zu verteidigen."
Es hätte daher nicht überrascht, wenn Yakin auch gegen Katar auf eine Dreierkette gesetzt hätte. Der Schweizer Nationaltrainer entschied sich jedoch für eine dritte Option: Er liess Zakaria als Rechtsverteidiger in einer Viererabwehr auflaufen. Diese Variante hatte er bereits im Frühjahr im Testspiel gegen Deutschland erprobt, dennoch kam die Nominierung überraschend.
Das Fazit fiel gemischt aus. Defensiv blieb Zakaria weitgehend fehlerfrei, und mit seinen Vorstössen sorgte er für Tempo nach vorne. Doch der späte Ausgleich und die verlorenen zwei Punkte überlagerten am Ende alles. Entsprechend sagte Zakaria, als er im TV-Interview auf seine grundsätzlich gute Leistung angesprochen wurde, dass er sich darüber nicht freuen könne.
Obwohl der Genfer zu den wenigen Spielern gehörte, die gegen Katar positiv aufgefallen waren, sass Zakaria im zweiten Spiel wieder auf der Ersatzbank. Silvan Widmer, der einzige gelernte Rechtsverteidiger im WM-Kader, kehrte gegen Bosnien-Herzegowina in die Startelf zurück - und für Zakaria war einmal mehr kein Platz.
Seit 2024 stand Zakaria in 31 Partien des Nationalteams nur viermal in der Startaufstellung und absolvierte dabei mehr als eine Halbzeit. Während er im Verein praktisch immer gesetzt ist, muss er sich im Nationalteam meistens mit der Rolle des Edeljokers zufriedengeben. "Früher hat mich das mehr gestört", sagt Zakaria. "Mittlerweile bin ich reifer geworden. Ich weiss, dass es bei solchen Turnieren am wichtigsten ist, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen."
Gleichzeitig ist ihm bewusst, dass er dem Team - nachdem er in vergangenen Jahren immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen wurde - viel geben könnte. Zum dritten Mal in Folge hat er in der Ligue 1 mehr als 2000 Spielminuten absolviert. Zudem ist Zakaria im Nationalteam Teil des sechsköpfigen Spielerrats. Er ist ein Anführer und fühlt sich in dieser Rolle wohl.
Doch welche Möglichkeiten bieten sich Zakaria noch, an seinem bereits siebten Grossturnier seit 2016 eine wichtigere Rolle einzunehmen? Dass Yakin im letzten Gruppenspiel gegen Kanada auf eine Dreierkette umstellt oder Zakaria erneut anstelle von Widmer aufbietet, erscheint unwahrscheinlich. Zu wichtig sind ihm Ruhe und Stabilität in der Defensive - vor allem, wenn es um den Gruppensieg geht. Andererseits ist der Nationaltrainer auch für Überraschungen bekannt.
Vor der WM sagte Yakin über Zakaria: "Es ist schön, wenn ich einen Spieler seiner Qualität von der Bank bringen kann. Und wenn ich ihn von Anfang an bringen kann, mache ich das ebenfalls gerne."
Also bleibt Zakaria vorerst nichts anderes übrig, als abzuwarten - oder sich vielleicht doch noch zum Stürmer umschulen zu lassen.