Mit deutscher Hilfe Geschichte schreiben
Österreich nimmt erstmals seit 1998 wieder an einer WM-Endrunde teil. Es ist der Lohn für die Arbeit unter den deutschen Trainern Franco Foda und Ralf Rangnick, die das Austria-Nationalteam wieder salonfähig gemacht haben.
Von November 2017 bis März 2022 schwang in Österreich Franco Foda als Nationalcoach das Zepter. In 48 Spielen kam er, als Nachfolger von Marcel Koller, auf durchschnittlich 1,81 Punkte und führte die Österreicher an die EM-Endrunde 2021 und dort in die Achtelfinals. Nach der verpassten Qualifikation für die WM 2022 trat er aber zurück, wechselte zum FC Zürich – und scheiterte krachend.
Auf Foda folgte bei Austria mit Ralf Rangnick der nächste Deutsche – und mit ihm führte der Weg weiter aufwärts. Zuerst gelang die Qualifikation für die EM 2024, wo die Österreicher in der Gruppenphase die Niederlande bezwangen und im Achtelfinal gegen die Türkei ausschieden. Und nun also bestreiten unsere Nachbarn endlich wieder eine WM – und dies mit Ambitionen. Der Einzug in die K.o.-Runde wurde im Vorfeld erwartet und teilweise bereits als fix angesehen.
Dabei zu sein, ist nicht mehr alles
Natürlich, Titelverteidiger Argentinien ist eine grosse Hürde. Aber sonst? Algerien und Jordanien sind in den Augen der Allgemeinheit Pflichtaufgaben. So sagte die Austria-Fussballlegende Herbert Prohaska im Vorfeld der WM, dass es schon fast peinlich wäre, wenn das Nationalteam die Gruppenphase nicht überstehen würde. Es ist das neue Selbstverständnis. Österreich hat im Fussball wieder einen Namen und ist ambitioniert. Dabei zu sein, ist längst nicht alles.
Die Hoffnung lebt, dass die WM zu einer Erfolgsreise wird. Das 3:1 im ersten Gruppenspiel gegen Jordanien war ein wichtiger Schritt. Heute Abend folgt nun der Härtetest gegen Weltmeister Argentinien, der mit einem 3:0 gegen Algerien und drei Treffern von Lionel Messi beeindruckend ins Turnier gestartet ist. Österreich geht aber als klarer Aussenseiter in dieses Spiel, nachdem Argentinien zuletzt acht Siege in Folge gefeiert und dabei nur ein Gegentor kassiert hat.
Vor allem Messi setzte ein fettes Ausrufezeichen, so dass ÖFB-Coach Rangnick sagt: «Sie haben den Besten, den es jemals gegeben hat, in ihren Reihen.» Messi laufe vielleicht nicht ganz so viel wie früher und bleibe vielleicht auch gern einmal am Flügel vorne stehen oder im Abseits. «Dadurch haben sie einen Spieler weniger im Gegenpressing, aber das macht ihn auf der anderen Seite auch gefährlich, weil er zunächst in einem unbewachten Raum parkt», so Rangnick. Man dürfe Argentinien aber nicht auf Messi reduzieren: «Er hat sicher im ersten Spiel den Unterschied gemacht, aber das Team ist auf jeder Position herausragend besetzt. Es gibt wenige bis keine Schwächen, die wir entdecken konnten. Sie sind individuell überragend besetzt. Im Prinzip könnten sie mit zwei, zweieinhalb oder drei Mannschaften spielen.»
Für Rangnick ist klar: «Wir müssen taktisch und was die Energie und den Mut betrifft auf höchstem Niveau agieren.» Vielleicht sei auch die beste Leistung in seiner vierjährigen Amtszeit nötig. «Doch ich halte es für möglich, dass wir für eine Überraschung sorgen. Das wäre schon ein Unentschieden oder natürlich auch ein Sieg.»
Der Respekt der Argentinier
Vermessen ist diese Aussage definitiv nicht, auch wenn Argentinien natürlich viel höher einzuschätzen ist. Der Gesamtwert des Kaders des amtierenden Champions wird mit 807,5 Millionen Euro beziffert, jener der Österreicher mit 245,2 Millionen. Es ist eine stolze Summe, so dass auch der Respekt von Argentiniens Teamchef Lionel Scaloni vor dem Duell mit den Österreichern nicht gekünstelt wirkt. Er erwarte ein «kompliziertes Spiel», sagte Scaloni bei der Medienkonferenz vor dem Spiel. Österreich habe sehr gute Spieler, die gut Druck machen können. «Sie spielen sehr vertikal. Das ist wirklich ein ernst zu nehmender Gegner.» Ähnlich tönte es von Mittelfeldspieler Enzo Fernandez: «Die Österreicher spielen sehr direkt, lassen einem zwar Platz, sind aber stark im Mittelfeld. Da müssen wir achtsam und aggressiv sein. Ich habe den Eindruck, dass bei dieser WM viele Mannschaften für Überraschungen sorgen.»
Der Respekt ist den Österreichern also sicher. Nun müssen sie heute Abend auf dem Platz noch mit Taten glänzen. Ein Sieg würde wie 1978 das «Wunder von Cordoba», als die Österreicher an der WM den amtierenden Weltmeister (Deutschland) mit 3:2 besiegten, in die Geschichte eingehen. Und das will vor allem auch Mittelfeldspieler Marcel Sabitzer, der gegen die Argentinier sein 100. Länderspiel bestreitet. Er sagt: «Wir wollen unsere eigene Geschichte schreiben und nach dem ersten Spiel sind wir auf dem besten Weg. Es ist ein grosses Spiel für uns, wir haben eine grosse Chance. Wir sind hier, um das Spiel zu gewinnen. Auf der anderen Seite steht eine sehr gute Mannschaft mit einem absoluten Ausnahmekönner. Aber wir wollen ihnen wehtun und ein gutes Ergebnis erzielen.»