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Wie ausgewechselt: Vier Erkenntnisse zum Nati-Sieg gegen BIH

Patrick

Und schwupp, ist die Schweiz wieder auf Kurs. Mit 4:1 besiegte die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft gestern im zweiten Gruppenspiel Bosnien-Herzegowina und hat damit wieder ausgezeichnete Chancen, sich für die WM-Sechzehntelfinals zu qualifizieren. Aber ist damit nach dem Fehlstart gegen Katar alles wieder im Lot? Unsere Erkenntnisse nach dem Duell mit der Weltnummer 64.

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Als der Ball noch nicht rein wollte: Bosnien-Keeper Vasilj (in gelb) klärt Embolos (Nr. 7) Kopfball vor der Linie © Keystone / AP / Mark J Terrill

Sommerflaute

26 Torschüsse feuerte die Schweiz am vergangenen Samstag in Richtung katarisches Tor, traf aber nur per Elfmeter (Breel Embolo). Ansonsten zeigte sich der Angriff rund um den Elfmeterschützen und seine «Wingmen» Dan Ndoye und Ruben Vargas zwar bemüht, aber grösstenteils ohne entscheidende Wirkung. Gestern nun durfte sich Fabian Rieder an Vargas‘ Stelle versuchen, mit fast noch ernüchterndem Resultat. Rieder agierte zögerlich, Ndoye bei aller Agilität zuweilen überhastet und Embolo fiel in den ersten 70 Spielminuten eigentlich nur in jenem Moment auf, als er ein öffnendes Zuspiel Xhakas so schlecht verarbeitete, dass er den freistehenden Ndoye nicht mehr bedienen konnte. Spürbar besser wurde das Schweizer Offensivspiel erst durch die in der 72. Minute eingewechselten Johan Manzambi und Vargas, denen es gelang, das viel zu statische und risikoarme Angriffsspiel neu zu beleben. Ganz getreu dem Motto: «Besser spät, als nie.»

 

Alles richtig gemacht?

Beschäftig man sich mit Nationaltrainer Murat Yakin, kommt man um zwei Einschätzungen seiner Person und Arbeit nicht herum. Für die einen ist er ein Glückskind, für die anderen ein taktisches Genie. Und wohl noch selten trafen diese beiden Ansichten in einem Spiel so perfekt aufeinander, wie gestern Abend in Los Angeles. Denn während rund 70 Minuten zeigten Yakin und seine Männer alle Anzeichen einer Gemeinschaft, der nach den letzten enttäuschenden Auftritten die Selbstverständlichkeit abhanden gekommen war. Die einem erwartet defensiven Gegner übervorsichtig und mutlos entgegentrat. Die krampfhaft am eigenen taktischen Korsett festklebte und der es an Inspiration fehlte, bzw. diese auch von der Seitenlinie nicht geliefert bekam. Und dann kam sie, die 72. Minute und mit ihr der Doppelwechsel, der das Spiel entschied. Mit einem Vargas und einem Manzambi, die der Partie sofort ihren Stempel aufdrückten, die das Schweizer Spiel belebten und umgehend trafen. Genauso, wie sich das ein Taktikfuchs ausgedacht hätte. In einer Mischung aus Überzeugung und Hoffnung, dass knapp 20 Minuten ausreichen würden, um mindestens zwei Tore zu erzielen. Wenn auch im Notfall mit ein bisschen Beistand von Göttin Fortuna.

 

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Taktikfuchs oder Glückspilz? Gestern gehörte Trainer Murat Yakin auf alle Fälle zu den Siegern (Keystone / Peter Klaunzer)

Dreideutig

Der neuste letzte Schrei im Fussball? Das «Hydration Break», pünktlich zur WM von der FIFA ausgerollt. Offiziell, um den Spielern bei der erwartbaren nordamerikanischen Sommerhitze eine verdiente zusätzliche Trinkpause (pro Halbzeit) zu gewähren. Inoffiziell, um die Taschen der FIFA und ihrer weltweiten TV-Partner während der dreiminütigen Spielunterbrechung mit zusätzlichen Werbegeldern zu füllen. Und natürlich gibt es seit der Einführung der neuen Regel auch noch eine dritte Komponente, die tatsächlich das Potential hat, den Fussball nachhaltig zu verändern. Nämlich die, des zumindest nicht offiziell gewollten «Coaching Timeouts», ein Nebenprodukt der Trinkpausen mit dem fraglos grössten Einfluss auf den weiteren Verlauf eines Spiels. Gestern zum ersten Mal mit messbarem Impact für Schweiz, die die Partie im Anschluss (und den bereits erwähnten Doppelwechsel) innert Minuten für sich entschied. «Four quarters of football» quasi, wie das der American Football schon seit jeher kennt. Klar, dass man für diese Regelanpassung deshalb erst in die USA kommen musste. Ob sie allerdings auch nur dort bleibt?

 

Agent Provocateur

Ein wenig Reibung und Konfrontation. Auch Kritik. Und natürlich eine Spur Provokation. Mittlerweile scheint klar, dass Granit Xhaka all diese Dinge und vielleicht sogar noch ein wenig mehr braucht, um sich im Umfeld der Schweizer Nationalmannschaft so richtig wohl zu fühlen. Denn wie sonst soll man verstehen, dass der Nati-Kapitän kaum eine Möglichkeit auslässt, um selbst immer wieder Öl ins bereits sanft lodernde Feuerchen zu giessen? Hier ein öffentlicher Weckruf an Team, Trainer und Staff nach einem missglückten Vorbereitungsspiel. Da wieder aufgewärmte Schlagzeilen um Doppeladler und eingeflogene Friseure. Und dort die direkte Kritik an Mit- und fehlgeleitete Einwechselspieler. Natürlich kann es Xhaka dann auch in Momenten des Triumphes nicht lassen, weitere Emotionen zu schüren, sei es unmittelbar im Anschluss an einen verwandelten Elfmeter oder im Post-Match-Interview. Gerade so, wie es für ihn im Hinblick auf den leistungsgerechten Auf- und Abbau der Emotionen passt. Dass das Ganze zuweilen wenig souverän wirkt, scheint dem Rekord-Nationalspieler und einem Teil der Schweizer Fans egal – zumindest solange, wie die Resultate auf dem Platz stimmen. 

 

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