«Three Lions» sind reif für den Titel
60 Jahre sind es bereits her, seit England erst- und letztmals Weltmeister wurde. Dieser Titel 1966 war der einzige Triumph auf der grossen Bühne, an einer EM reichte es gar nie zum Titel. Doch nun lebt die Hoffnung, dass die «Three Lions» in diesem Jahr zuschlagen.
Der Start in die WM ist geglückt. Beim 4:2-Sieg gegen Kroatien zeigte England eine starke Leistung. Und so verstummte auch ganz schnell die Kritik an Cheftrainer Thomas Tuchel, der in seinem WM-Aufgebot auf bekannte Namen wie Phil Foden und Cole Palmer verzichtet hatte, um das Teamgefüge nicht zu stören, wie er sagte – aber für diesen Entscheid im Kreuzfeuer der Kritik stand. Doch der Erfolg gegen die Kroaten sorgte für Ruhe – und steigerte die Hoffnung, dass es endlich wieder einmal ein grosses Turnier mit einem Happy End gibt.
Kritik nach dem Sieg – aber keine Selbstzufriedenheit
Heute Abend folgt nun das zweite Spiel, gegen Ghana, das zum WM-Start einen 1:0-Minisieg gegen Panama gefeiert hat. Ghana ist defensiv sehr stark, aber nun wird sich zeigen, ob die Qualität auch genügend hoch ist, um die hochkarätige englische Offensive zu stoppen. England-Coach Thomas Tuchel glaubt, dass England durch das Spiel gegen Kroatien wachgerüttelt wurde und im weiteren Verlauf der Weltmeisterschaft vor allem seine Defensivstruktur verbessern muss. «Wir müssen einige Dinge besser machen», sagte er. «Defensiv haben wir uns aus einem mittleren Block zu früh in einen tiefen Block zurückfallen lassen. Das ist grundsätzlich kein Problem, aber wir haben diesen Schritt zu früh gemacht. Wir waren zu stark auf Mannorientierung fokussiert und haben unserer Struktur zu wenig vertraut, um wieder nach vorne schieben zu können», so Tuchel. «Ausserdem hatten wir nach Ballgewinnen zu viele einfache Ballverluste. Wir haben enormen Aufwand gegen den Ball betrieben, ihn gewonnen und ihn gleich wieder hergegeben. Wir müssen diese Ballgewinne besser verwalten.»
Vor dem Match gegen Ghana ist der Deutsche mit der Einstellung seiner Spieler sehr zufrieden: «Die Spieler halten sich selbst unter Spannung. Diejenigen, die bislang weniger Einsatzzeit erhalten haben, machen Druck. Gleichzeitig sorgen wir im Training dafür, dass jeder gefordert wird. Genau deshalb liebe ich diese Mannschaft. Im Moment sehe ich keinerlei Anzeichen von Selbstzufriedenheit.»
Wenn die Engländer konsequent ihren Weg verfolgen und konzentriert spielen, sind sie ein heisser Anwärter auf den WM-Titel. Nach den EM-Finalniederlagen 2021 (gegen Italien) und 2024 (gegen Spanien) scheint das Team von der Insel reif für den Titel. Die Engländer verfügen auf jeden Fall über enorme Qualität, was sich auch schon im Marktwert zeigt. 1,36 Milliarden Euro sind eine beeindruckende Zahl, lediglich Frankreich wird mit 1,52 Milliarden noch wertvoller eingestuft. Namen wie Jude Bellingham, Declan Rice, Bukayo Saka und natürlich auch Harry Kane sorgen bei vielen Fussballfans für Zungenschnalzen. Speziell auch Kane befindet sich in einer Traumverfassung. Für die Bayern hat er in der abgelaufenen Saison in 51 Spielen 61 Mal eingenetzt und an der WM hat er gegen Kroatien ebenfalls bereits zwei Treffer erzielt. Kane – einer der komplettesten Stürmer der Welt, ein erfahrener Leader – und ein Tormonster.
Die perfekte Qualifikation
Mit den Bayern hat er nun auch gelernt, wie man Titel gewinnt und möchte das auch mit den «Three Lions» tun. Die Engländer standen an der EM 2021 und 2024 im Final und an der WM 2018 im Halbfinal. Bislang galt: Nahe dran ist auch vorbei, doch nun sind die Chancen definitiv da, dass sie am 19. Juli ganz oben stehen. Und wer weiss, vielleicht ist am Ende auch Thomas Tuchel der gefeierte Mann, nachdem er zuletzt wie erwähnt in der Kritik stand. Denn der Deutsche weiss definitiv, wie man auf den Gipfel stürmt. Er gewann mit Chelsea die Champions League und mit den Engländern, Bayern München, Paris Saint-Germain und Borussia Dortmund diverse weitere Titel. Dass seine Arbeit auch zum Nationalteam passt, hat zuletzt die Qualifikation gezeigt: acht Spiele, acht Siege, 22:0 Tore – schlicht perfekt! Und eigentlich die ideale Ausgangslage, um bei der 17. Endrunden-Teilnahme endlich den zweiten Titel zu gewinnen.