Manzambi und Undav als Superjoker – Ärgernis Hydratation Break
Die ersten zwei Runden der Gruppenphase sind an der WM bereits gespielt. Da wurden neue Helden geboren und gefeiert, gleichzeitig gab es aber auch grosse Enttäuschungen. Ein Überblick über Tops und Flops.
Top Nummer 1 – Kap Verden
In der aktuellen FIFA-Weltrangliste belegt das Team von der Inselgruppe im Atlantischen Ozean nur gerade Rang 63. An der WM ist der krasse Aussenseiter aber eine positive Überraschung. Zum Auftakt gab es ein ebenso sensationelles wie heldenhaftes Unentschieden gegen Titel-Mitfavorit Spanien. Dann eroberte das Team von Trainer Bubista gegen Uruguay beim 2:2 einen weiteren Punkt, so dass vor dem letzten Gruppenspiel in der Nacht auf Samstag gegen Saudi-Arabien (Weltnummer 59) der Einzug in die Sechzehntelfinals möglich ist – und sogar der Gruppensieg. Die grosse Figur im Team ist der 40-jährige Torhüter Vozinha. Seine Follower-Zahlen bei Instagram waren während der Partie gegen Spanien von anfänglich 46'000 in die Höhe geschossen und förmlich explodiert. Zwei Stunden nach dem Abpfiff folgten ihm bereits zwei Millionen Menschen – Tendenz steigend. Der Grund: Der brasilianische Sender Caze TV hatte seine Zuschauer während der Halbzeitpause aufgefordert, dem Keeper zu folgen. Die ursprünglich anvisierten 100'000 Follower waren bereits nach einer Minute erreicht., mittlerweile folgen ihm 15,8 Millionen Menschen. Es ist eine Zahl, die er in Zukunft durch Werbung versilbern oder gar vergolden kann.
Top Nummer 2 – Johan Manzambi
Er war schon vor der WM der Schweizer Shootingstar der Saison. Nach dem ernüchternden 1:1 im Startspiel gegen Katar wurde der 20 Jahre junge Genfer intern kritisiert – und lieferte dann beim 4:1 gegen Bosnien die eindrückliche Antwort. Manzambi kam nach 71 Minuten beim Stand von 0:0 ins Spiel und unterstrich mit seinen zwei Toren und der Auszeichnung als «Man of the Match», weshalb sein Marktwert bereits auf 50 Millionen Euro explodiert ist. Er brachte einmal mehr dieses frische, unberechenbare und geniale Element ins Schweizer Spiel und wurde danach von Nationalcoach Murat Yakin gelobt: «Ihm muss man keine grossen taktischen Vorgaben machen, er ist ein Instinktfussballer.» Ob Manzambi nun am Mittwochabend gegen Kanada im Kampf um den Gruppensieg in der Startformation steht, wird sich zeigen. Argumente dafür hat er gegen die Bosnier definitiv geliefert, gleichzeitig kann er mit seinem Tempo und seiner Dynamik als Joker bereits müde gelaufene Gegner vor unlösbare Probleme stellen.
Top Nummer 3 – Deniz Undav
Auch Deutschland hat einen neuen Helden! Stürmer Deniz Undav hat in der vergangenen Saison für den VfB Stuttgart 19 Tore erzielt und war in der Torschützenliste hinter Harry Kane die Nummer 2. Im Nationalteam musste er aber hinten anstehen, wurde von Coach Julian Nagelsmann weder gegen Curaçao, noch gegen die Elfenbeinküste für die Startelf nominiert. Und auch er lieferte Argumente, um das zu ändern. Gegen Curaçao erzielte er beim 7:1-Sieg ein Tor und zwei Assists. Gegen die Elfenbeinküste kam er nach einer Stunde beim Stand von 0:1 ins Spiel und sorgte dann mit seinen zwei Treffern für die Wende und den 2:1-Sieg. Die Bilanz von Joker Undav ist beeindruckend. In gerade einmal 56 WM-Minuten hat er drei Tore erzielt und zwei vorbereitet – das macht fünf Skorerpunkte und ist eine beeindruckende Bewerbung für einen Platz in der Startelf. Vielleicht darf er ja am Sonntag im für die bereits als Gruppensieger feststehenden Deutschen bedeutungslosen letzten Vorrundenspiel gegen Ecuador von Anfang an stürmen.
Flop Nummer 1 – Türkei
Die Türkei war mit grossen Ambitionen an die WM 2026 gereist – es war die erste Endrundenteilnahme seit 2002. Das Kader hatte einen Gesamtwert von 473 Millionen Euro, was in diesem Ranking Position 13 bedeutete. Stars wie Arda Güler (Real Madrid) und Kenan Yildiz (Juventus) sorgten für Träume. Umso härter war dann die Landung in der Realität: Nach Niederlagen gegen Australien (0:2) und Paraguay (0:1) stand das Ausscheiden nach zwei Spielen fest, das Duell gegen USA in der Nacht auf Freitag ist nur noch eine Möglichkeit zur Wiedergutmachung und eine Chance, sich mit Abstand von der WM zu verabschieden. «Wir sind richtig traurig. Es ist beschämend. Wir entschuldigen uns bei unserem Volk», sagte Superstar Arda Güler nach der Niederlage gegen Paraguay. «Wir weinen in der Kabine. Wir müssen alles tun, um das wieder gutzumachen.» Bemerkenswert ist, dass die Türken am italienischen Trainer Vincenzo Montella, der seit September 2023 im Amt ist und einen Vertrag bis 2028 besitzt, trotz des Debakels festhalten wollen.
Flop Nummer 2 – Belgien
Die Belgier haben sich in den letzten Jahren an der Weltspitze etabliert und sind in der Weltrangliste im Moment die Nummer 10. Doch an der WM sind die Roten Teufel bislang definitiv nicht teuflisch gut. Gegen Ägypten gab es zum Start nur ein 1:1, gegen Iran folgte eine Nullnummer. Im letzten Gruppenspiel geht es in der Nacht auf Samstag nun darum, gegen Neuseeland das Ausscheiden zu verhindern. In den vergangenen Jahren galten die Belgier immer wieder als Geheimfavoriten, weiter als bis in den WM-Halbfinal (2018 in Russland) kamen Thibaut Courtois, Kevin De Bruyne, Romelu Lukaku und Co. allerdings nie. Nach dem Spiel gegen den Iran fiel das Urteil von TV-Experte und ManU-Legende Roy Keane vernichtend aus: «Die Qualität des Spiels war Müll, wirklich schlecht. Belgien hatte natürlich ein paar gute Chancen, aber das Niveau des Passspiels, der Laufwege und der Entscheidungsfindung war einfach miserabel.» Ähnlich sieht es Toby Alderweireld, 127-facher belgischer Nationalspieler: «Mit Ausnahme von Courtois bringen die Schlüsselspieler nicht die gewünschte Leistung. Das ist problematisch. Es muss insgesamt einfach besser werden. Diese Gruppe ist die schwächste des Turniers. Da muss man einfach Erster werden.» Doch das haben die Belgier nicht mehr in den eigenen Füssen.
Flop Nummer 3 – Hydratation Break
Eingeführt wurden die sogenannten Hydration Breaks respektive Cooling Breaks 2014 an der WM in Brasilien. Vorgesehen waren sie nur bei Spielen unter grosser Hitze, an der WM 2026 gehören sie fix dazu. Ein Unterbruch pro Halbzeit ist Pflicht, unabhängig davon, ob ein Match in der Hitze oder in einem klimatisierten Stadion stattfindet. Für die Fernsehsender sind diese dreiminütigen Pausen kommerziell lukrativ, da sie die Möglichkeit bieten, Werbung auszustrahlen. Daran stören sich viele Fans, sie sind der Meinung, dass die Pausen nicht nur der Gesundheit dienen, sondern in erster Linie für die zusätzlichen Werbeeinnahmen installiert wurden. Ein Vorwurf, den FIFA-Präsident Gianni Infantino zurück weist. Er betont, die Massnahme sei ausschliesslich aus sportlichen und gesundheitlichen Gründen eingeführt worden und generiere für die FIFA keine zusätzlichen Einnahmen. Kritisiert werden zudem die Unterbrechung des Spielflusses und dass die Coaches die Möglichkeit haben, sie als taktische Timeouts zu nutzen, was den Charakter des Spiels ändert. So, wie Murat Yakin beim Sieg der Schweiz gegen Bosnien-Herzegowina getan hat.